Hallo liebe Leser,

ich, als Redakteur dieses Blogs, muss mich dann doch mal persönlich zu Wort melden. Ich war letzte Woche auf eine internationalen Konferenz zu Technologie und Informationssicherheit. Nach einem arbeitsreichen Tag überarbeitete ich zwei neue Texte für dieses Blog, die mir zugestellt worden waren, und veröffentlichte diese, einen Mittwoch Abend, einem am  Donnerstag. Wie gesagt, ich war nicht ganz wach und so passierte es mir dann auch, dass ich das Kunstmittel des anonymen Zitates nicht angemessen darstellen ließ und sogar ein paar Rechtschreibfehler veröffentlichte.

Nun gut, am Freitag Abend gab es dann eine Reaktion der lokalen FDP. Nicht in diesem Blog, wie man es im allgemeinen im schönen Mitmachnetz der zweiten Generation erwarten würde, sondern das ganze wurde gleich im Wochenspiegel positioniert. Dies alleine mutet ja eigentlich schon merkwürdig genug an, doch was man da zu lesen bekommt, verwundert einen dann doch noch mehr. Weshalb, darauf geh ich gleich ein.

Nur noch einer kurzer Einschub zu Blogs im Allgemeinen und diesem Blog im besonderen: (Gute) Weblogs sind immer etwas sehr persönliches. Der Blogger veröffentlicht dort, gerne auch in Kooperation mit mehreren Mitbloggern, Beiträge zum Themenspektrum des Blogs. So ist es auch mit diesem Blog. Zugegeben, bevor ich diesen Auftrag angenommen habe, habe ich mich nicht für Kommunalpolitik interessiert. Aber ich habe ihn nur deshalb angenommen, weil ich eine große Schnittmenge mit meiner eigenen politischen Einstellung und den Zielen der DIP sehe. Diese versuche ich hier abzubilden aber ich habe durchaus meine eigene Meinung, die man auf meinem Blog nachlesen kann. ( Sobald ich den Hardwarecrash repariert habe :( )

Ich hangel uns mal durch den Text und kommentiere mich mal so durch:

“DIP hat keinen Funken Anstand”

Das ist schon mal ganz großes Worteklopfen. Man würde meinen, dass die Partei, die sich für die sozial benachteiligte Masse einsetzt, gerade Anstand besitzt. Aber vielleicht kennt sich die Partei der Besserverdiener und Befürworter des Sozialabbaus damit ja auch weitaus besser aus, was den Anstand ist.

Paderborn (WS). „Die Demokratische Intitiative Paderborn (fährt in ihrem Kommunalwahlkampf schweres Geschütz auf. In ihrem Internetblog werden alle Paderborner Parteien als “korrupt” bezeichnet. Dieser Vorstoß stellt für viele Politiker eine unehrenvolle Wahlkampfpropaganda dar. Alle Paderborner Parteien als korrupt zu bezeichnen ist schlicht und einfach eine Frechheit”, formuliert Sascha Pöppe, Direktkandidat der FDP in Neuenbeken und Marienloh in einer Presseerklärung.

Ich hatte es ja eingangs schon erwähnt: Leider habe ich das Stilmittel des anonymen Zitats nicht exponierter dargestellt gehabt. Andererseits sollte aber jedem Menschen  auch spätestens zwei bis drei Sätze später klar sein, dass es sich dabei nicht um die Meinung der DIP handeln kann. Man kann das aber natürlich auch ganz wunderbar aus dem Zusammenhang reissen und bewusst fehlinterpretieren.

“Das zudem veraltete Formulierungen wie „die Partei hat immer Recht“ in diesem Blog mit einem Link zum Lied der SED versehen und somit populistisch vermarktet werden, ist äußerst unehrenhaft und beschämend zugleich. Zu welchem politischen System sich diese Partei öffentlich positioniert, gibt mir im Jahre 2009 stark zu denken“, so Pöppe weiter.

Diesen kleinen ironischen Wink konnte ich mir einfach nicht verkneifen. Ich war nicht der Autor dieses Textes, aber ich empfinde den kleinen Seitenhieb an dieser Stelle auch nicht unpassend. Zumal der ironische Charakter noch durch den Smiley direkt am Anschluß an den Link betont wurde. Ich traue, gerade den jungen, Lesern dieses Blogs durchaus die Medienkompetenz zu, einen Smiley interpretieren zu können und somit zu erkennen, dass die Aussage dieses Textes nicht auf die Goldwaage zu legen ist.

Dass aber eben jene Partei, die mit “der beste Kontrast zu schwarz” wirbt, aber gerade gegen einen Seitenhieb gegen die Dominanz der CDU im Kommunalparlament angeht, empfinde ich persönlich als sehr bedenklich. Wenn dann noch eine, offensichtlich ironisch gemeinte, Verlinkung stärker zur politischen Positionierung  gewichtet  wird als ein Parteiprogramm, dann ist dies in meinen Augen ein eindeutiges Zeichen für mangelnde Medienkompetenz. Ob bewusst oder unbewußt, dass sei jetzt einmal dahingestellt.

Die DIP stelle in ihrem Internetauftritt zudem die These auf,

Gucke mal da! Auf einmal ist aus dem Blog der Internetauftritt der DIP geworden. Da hat sich der liebe Kollege von der FDP aber getäuscht, zu diesen geht es bitte hier entlang.

dass etliche Wähler der „korrupten“ Parteien eventuell schon verstorben seien und male sich somit Hoffnungen aus.

Es ist unumstritten, dass der junge Autor dieser Schrift durchaus mal polemisch vorgeht. Aber ich denke, dass er nur die, durchaus berechtigte, Wut seiner Generation ausdrückt. Das er darin allerdings Hoffnung setzen würde, kann ich wahrlich nicht erkennen.

“Dass es der DIP nicht wirklich um Inhalte geht, sieht man doch allein daran, dass im Wahlbezirk Neuenbeken/Marienloh eine Arnsbergerin für die DIP kandidiert, die nicht einmal in dem Bezirk wohnt. Sie kann sich mit Sicherheit nicht für die Belange der Neuenbekener und Marienloher einsetzen”, erklärt Sascha Pöppe.

Dass gerade die FDP mit Inhalten als Argument kommt, ist meiner Meinung schon ein bisschen frech ;) Dann aber direkt im Anschluss mit Lokalpatriotismus von eben diesen abzulenken, zeugt davon, auf welchen Niveau Herr Pöppe argumentiert. Auf mich wirkt es so, als wäre er noch nicht im Informationszeitalter angekommen. Das müsste er aber eigentlich, kommt mir sein Gesicht doch noch stark vertraut von einigen Webmontagen her.

Da gerade viele Jugendliche im Internet verkehren sei er besorgt über diese jugendgefährdende Propaganda nach dem Muster alter Staatsregime.

Die Deutungsgabe der Autoren dieser Schrift beeindruckt mich immer wieder. Wäre es wirklich Propaganda jener Couleur gewesen, wäre sie garantiert nicht auf die Kritik an unserem Politsystem eingegangen.

“Sofern die DIP noch einen Funken Anstand in sich trägt, sollte sie nach diesen Äußerungen alle Kandidaturen in Bezug auf die Kommunalwahl sofort zurückziehen”, zeigt sich der

Irgendwie gehört das doch auch zu jeder guten Presseerklärung dazu, oder?

Freie Demokrat schockiert über die Darstellung etablierter Parteien als korrupt und aussterbend.

Dass gerade ein Anhänger jener Partei, die beim Großen Lauschangriff mitwirkte und deren Mitglieder nicht davor zurückscheuen, die Berichterstattung ihrer versehentlichen Falschaussagen anwaltlich unterdrücken zu lassen, sich als “freier Demokrat” bezeichnet, erscheint mir irgendwie abenteuerlich. Nicht das die FDP noch viel zu bieten hätte.

17. August 2009, 19:51 Uhr

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Bisher 1 Kommentar zum Artikel

  1. Kommentar von Nico

    Danke für diese gute antwort auf die unverschämte Antwort der FDP!
    Ich als Autor des Textes, weshalb sich die FDP nun so aufregt, kann mich den worten nur anschliessen!

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