Der eine oder andere von euch hat vielleicht schon von den Kampfdörfern in der Senne erfahren. Dort ist ein großer Truppenübungsplatz der britischen Rheinarmee. Und da die ja immer fleißiger Krieg führen, wollen die diesen ausbauen und um einige Kampfdörfer und Schießstände erweitern. Dagegen hat sich ein breit aufgestelltes Aktionsbündnis formiert, dem wir natürlich auch mit angehören. Im März wurde eine, für unsere Region, beeindruckend große Demo organisiert. Doch die Bezirksregierung und die britische Militärführung lassen sich davon ebensowenig beeindrucken wie von der Tatsache, dass das von der Bezirksregierung beauftragte Lärmschutzgutachten unbrauchbar ist.
Deshalb haben wir heute folgende Pressemeldung ausgegeben:
Unbeirrt und offenbar unbeeindruckt von breiten Bürgerprotesten in den Anrainerkommunen gegen die geplanten Kampfdörfer in der Senne – immerhin mehr als 13.000 Unterschriften wurden bislang gesammelt – halten die britischen Militärs an ihren Ausbauplänen fest. Lediglich der Baubeginn soll sich einem Pressebericht zufolge bis November verschieben.
„Der spätere Bautermin scheint nicht zufällig nach den anstehenden Kommunal- und Bundestagswahlen gewählt zu sein. Man möchte offenbar den politischen Befürwortern neuer kriegsvorbereitender Kampfdörfer, CDU und FDP, nicht in die wahltaktische Quere kommen“, argwöhnt Carsten Schmitt, Vorstandsmitglied der Demokratischen Initiative Paderborn (DIP). Vorgeschoben werde seitens der Briten das Argument, man wolle kritischen Eingaben Betroffener, insbesondere zum Naturschutz und zu zusätzlichen Lärmbelästigungen, zunächst Gehör verschaffen. „Das ist wenig glaubhaft“, ist sich Schmitt sicher. „Die Anrainerkommunen sind auch in der Vergangenheit nicht an den Planungen beteiligt worden.“ Mit der völlig abwegigen Begründung, neue Kampfdörfer dienten der „unmittelbaren Landesverteidigung“ der Bundesrepublik, sei lediglich eine „Kenntnisgabe“ an die betroffenen Kommunen eingeräumt. „Ein Mitspracherecht hatten und haben sie nicht. Hier wird eine Rücksichtnahme auf die Interessen der Bürgerinnen und Bürger seitens der Briten und der beteiligten Politiker nur fingiert, um sich Ärger und öffentliche Diskussionen vom Leibe zu halten.“
Prof. Dr. Arno Klönne, Paderborner Soziologe und DIP-Gründungsmitglied, ergänzt: „Die Briten scheuen eine öffentlichen Auseinandersetzung auch deshalb, weil es beim Bürgerprotest nicht nur um Natur- oder Lärmschutz geht. Die Mehrzahl der Bürgerinnen und Bürger lehnt die in der Senne trainierten Kriegseinsätze im Irak und in Afghanistan ab. Da ist es verständlich, dass die Militärs diese Auseinandersetzung möglichst meiden.“ Klönne fordert den Einstieg in den Ausstieg aus der Militärnutzung der Senne. „Der Protest gegen Kampfdörfer muss unvermindert weitergehen“.